Plattformarchitekturen richtig verstanden: Hochhaus statt Einzimmerwohnung

Plattformarchitektur als Hochhaus: ein Fundament, mehrere eigenständige Stockwerke

Ihre Website ist eine Einzimmerwohnung? Solange wenig los ist, kein Problem. Kommen neue Abteilungen, Standorte, Angebote oder Sprachen dazu, wird es schnell eng. Weshalb eine Plattformarchitektur eher wie ein Hochhaus funktioniert und was das mit Tagen statt Monaten für Änderungen zu tun hat.

KMU, Organisationen und Verbände stehen im Web vor ähnlichen Aufgaben: Marketing und Anfragen, Recruiting, unterschiedliche Zielgruppen und Bereiche mit eigenen Interessen und eigenem Tempo. Dafür, so heisst es heute schnell, braucht es eine «Plattform». Nur nennt sich inzwischen fast alles so. Dabei ist das Prinzip ziemlich einfach.

Das Hochhaus-Prinzip: ein Fundament, viele Stockwerke

Eine Plattformarchitektur, in der Fachwelt Multisite-Architektur genannt, funktioniert wie ein Hochhaus.

Das Fundament bilden ein System, ein Hosting, eine Datenbank und ein Designsystem. Darauf stehen einzelne Stockwerke, technisch Instanzen. Jedes funktioniert wie eine eigene Website, mit eigener Domain oder eigenem Unterordner, eigener Redaktion und eigenem Auftritt. Das kann der Hauptauftritt sein, ein Magazin, die Website einer Tochterfirma, eines Standorts oder einer Sprachregion.

Jeder Bereich gestaltet sein Stockwerk innerhalb einer gemeinsamen Bauordnung selbst. Die Zugriffsrechte funktionieren wie die Karte im Lift: Jede und jeder kommt genau dorthin, wo sie oder er hinmuss. Neue Stockwerke können dazukommen, bestehende wachsen, ohne gleich das ganze Gebäude umzubauen.

Das Gegenmodell? Die Einzimmerwohnung. Kochen, arbeiten, schlafen und Gäste empfangen findet alles im selben Raum statt. Solange wenig los ist, funktioniert das. Sobald mehr einziehen, wird es eng.

Warum trotzdem so vieles in der Einzimmerwohnung landet

Extranet, Shop, Magazin und zwanzig Themenbereiche auf einer einzigen Website unterzubringen, wirkt zunächst effizient: ein Projekt, ein Login, alles an einem Ort.

Das Problem zeigt sich mit der Zeit. Alles hängt mit allem zusammen. Eine Änderung in einer Abteilung kann andere Bereiche betreffen. Also wird abgestimmt, gewartet und verschoben. Aus einer kleinen Anpassung werden Wochen oder Monate. Irgendwann lassen sich auch Zugriffsrechte nicht mehr sauber abbilden, spätestens bei Compliance-Fragen wird das relevant.

In unseren Audits sehen wir dieses Muster immer wieder: Nach vier oder fünf Jahren ist die Website so vollgepackt, dass sich einzelne Bereiche kaum noch sauber weiterentwickeln lassen. Beim anschliessenden Neubau werden hunderte Entwicklungsstunden abgeschrieben.

Dabei liegt die Ursache oft in der Organisation selbst. Bereiche entwickeln sich unterschiedlich. Märkte verändern sich, rechtliche Anforderungen betreffen vielleicht nur eine Abteilung, neue Aufgaben tauchen dort auf, wo sie niemand eingeplant hat.

In der Plattform kann jeder Bereich in seinem Tempo wachsen. Einer wird laufend ausgebaut, ein anderer bleibt jahrelang stabil, ein dritter kommt neu dazu. Eine Abteilung kann ausprobieren, anpassen und live gehen, ohne dafür das ganze Haus zusammenzurufen. Dasselbe Prinzip funktioniert für Firmen einer Holding, Standorte einer Filialkette oder unterschiedliche Sprachversionen.

Ein Prinzip, viele Ausgangslagen

Bei einem Verband sind es Abteilungen mit eigenen Zielen und Zielgruppen von Mitgliedern über Politik und Medien bis zum Nachwuchs. Bei einer Holding sind es eigenständig auftretende Firmen, bei einer Filialkette Standorte oder vielleicht eigene Länderseiten.

Auch unterschiedliche Angebote können eigene Bereiche brauchen. Sechzigjährige spricht man anders an als Zwanzigjährige. Und eine französische Website für die Romandie braucht mehr als die Übersetzung der deutschen Version: eigene Ansprache und eigenes SEO gehören dazu.

Die Ausgangslagen unterscheiden sich, das Prinzip bleibt gleich: eigenständige Bereiche auf einem gemeinsamen Fundament.

Schwere Technik bekommt ein Nebengebäude

Shop, Extranet oder Schnittstellen zu Buchhaltung und Mitgliederverwaltung sind technische Schwergewichte. Stecken sie mitten im Hauptauftritt, beeinflussen sie alles, was daneben passiert. Und irgendwann wird das Gebäude schwerfällig.

In einer Plattformarchitektur bekommen solche Anwendungen deshalb ihr eigenes Gebäude: als separate Instanzen oder Applikationen, über Schnittstellen mit der Plattform verbunden. Für Besucherinnen und Besucher bleibt alles eine Welt. Technisch ist es sauber getrennt.

Davon profitiert vor allem der Hauptauftritt. Von der schweren Technik befreit, kann er sich auf seine wichtigste Aufgabe konzentrieren: die zentrale Zielgruppe gewinnen. Beim Verband sind das die Mitglieder, beim Unternehmen die Kunden.

Das Marketing bekommt damit ein Werkzeug, das es selbst betreiben und erweitern kann. Auch neue Landingpages für Kampagnen lassen sich in Serie erstellen, statt jedes Mal bei null anzufangen.

Die Bauordnung: das Designsystem

Damit das Hochhaus langfristig funktioniert, braucht es Regeln. Diese Aufgabe übernimmt das Designsystem. Es definiert die Blöcke, aus denen alle Stockwerke gebaut werden. Eine begrenzte Anzahl reicht für den Grossteil einer Corporate-Website aus, denn deren grundsätzlicher Aufbau ist heute weitgehend standardisiert.

Ob ein neuer Block dazukommt, ist deshalb eine betriebliche Entscheidung: Bringt er die Kommunikation weiter? Macht er die Arbeit effizienter? Wenn ja, wird er entwickelt und steht anschliessend allen Stockwerken zur Verfügung.

Diese Begrenzung ist Teil des Prinzips. Jede zusätzliche Animation und jedes gestalterische Gefuchtel macht eine Plattform komplexer und teurer, ohne automatisch die Kommunikation zu verbessern. Die Normierung sorgt dafür, dass das System auch nach Jahren noch funktioniert.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel «Designsystem statt Designchaos»

Was es kostet und was zurückkommt

Initial kostet eine Plattformarchitektur mehr als eine einzelne Website. Dafür lässt sie sich Schritt für Schritt aufbauen. Bestehende Bereiche können weiterlaufen, bis sie an der Reihe sind.

Langfristig verändert sich die Rechnung: Änderungen betreffen einzelne Stockwerke statt das gesamte Gebäude, und der komplette Neubau nach vier Jahren entfällt. Entscheidend ist am Ende ohnehin die betriebswirtschaftliche Frage: Was kommt pro eingesetztem Franken zurück?

Bei den Lizenzen lässt sich das konkret beziffern. Kommerzielle Plattformen wie Adobe Experience Manager, Sitecore, Magnolia oder Liferay kosten allein an Lizenzen ab rund USD 25’000 pro Jahr. Für Sitecore weist der Einkaufsdienstleister Vendr auf Basis realer Verträge einen Median von rund USD 61’000 pro Jahr aus. Dazu kommen spezialisierte Entwickler und die Abhängigkeit vom jeweiligen Hersteller.

Wir bauen solche Architekturen seit Jahren und setzen konsequent auf Open Source, umgesetzt mit WordPress Multisite. Es fallen keine Lizenzkosten an, Code und Daten gehören Ihnen. Das gesparte Geld gehört für uns ins Marketing, nicht in Lizenzen.

Fazit: Das Haus muss zur Organisation passen

Eine Plattformarchitektur ist eine digitale Strategie: ein gemeinsames Fundament für die Organisation, eigenständige Stockwerke für ihre unterschiedlichen Bereiche und eine Bauordnung, die alles zusammenhält.

Die technische Lösung ist Standard. Angepasst wird sie an Ihr Geschäftsmodell. Das Ziel: möglichst hohe Betriebswirtschaftlichkeit und Effizienz in der digitalen Kommunikation.

Setzen Sie auf die für Sie passende Plattformarchitektur. Sprechen Sie uns an.




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